Mehr Interaktion

Was wir vom „Web 2.0” lernen können

Es war wohl für alle überraschend, welch durchschlagenden Erfolg die neuen interaktiven Webangebote auf dem Markt verzeichnen konnten. Ob Wikis oder Blogs, Chatten oder Twittern unterschiedlichster Spielarten, von den Anwendern selbst zu füllende Bild- und Filmdatenbanken, soziale und berufliche Netzwerke, offene Kontaktbörsen oder vieles mehr.

All dies zeigt, wie sehr wir Menschen die Interaktion wollen, und nicht nur die passive Konsumtion von Webangeboten. Auch das perfekteste Informationsangebot von Profis überzeugt nicht so sehr wie das, wo man selbst eine aktive Rolle spielen kann.

Aber die wohl größte Überraschung ist die hohe Qualität dessen, was da ungeprüft und ungefiltert, scheinbar chaotisch entsteht. Die Beiträge der Wikipedia sind mittlerweile annähernd gleichwertig zum Angebot professionell erstellter Lexika. Vielleicht sind sie sogar objektiver dank der Neutralität der von Vielen im Konsens ausgefeilten Beiträge anstelle einer einzelnen Expertenmeinung. Und dank der weitaus größeren Aktualität ist es für die Meisten letztlich ohnehin die viel bessere und beliebtere Informationsquelle.

Was lernen wir daraus? Auch innerhalb der Verwaltung geht es um Wissen, um Kommunikation und Interaktion. Es ist uns bewusst, dass Verwaltungshandeln sich in einigen Aspekten vom offenen Internet unterscheidet: Entscheidungen müssen auf vollständiger und gesicherter Information beruhen und nachvollziehbar sein. Das ist richtig – doch warum sollte dieser berechtigte Anspruch die Sachbearbeiter daran hindern, sich bestmöglich zu informieren und sich miteinander auszutauschen?

Manches ist anders, aber vieles ist ähnlich. Vieles von dem, was im Web 2.0 normal geworden ist, macht auch in der Verwaltung Sinn. Dabei geht es nicht etwa nur darum, die Web 2.0-Angebote plump zu kopieren und z.B. ein behördeneigenes Wiki einzurichten. Das kann man tun, aber darum geht es hierbei nicht. Die Adaption von den Web 2.0 - Ideen muss sich in dem Kontext der Arbeit der Fachanwender einordnen und folglich auch Teil der Fachverfahrenswelt der Sachbearbeiter werden.